Ein enger Trichter: das Arbeitsgedächtnis
Die Theorie der kognitiven Belastung, die John Sweller ab den 1980er-Jahren entwickelt hat, geht von einer Tatsache aus: Unser Arbeitsgedächtnis ist sehr begrenzt. Es kann nur wenige Elemente gleichzeitig verarbeiten. Alles, was es unnötig belastet, geht auf Kosten des eigentlichen Lernens.
Sweller unterscheidet drei Arten von Belastung: die intrinsische (die Schwierigkeit des Inhalts selbst), die extrinsische (die durch die Darstellung entsteht) und die lernbezogene (die das Wissen aufbaut). Pädagogisch geht es darum, die extrinsische Belastung so klein wie möglich zu halten, damit Kapazität fürs Lernen frei wird.
Auf das Quiz übertragen: Eine Frage prüft EINEN Inhalt, mit möglichst wenig Rauschen. Jedes überflüssige Wort, jede verschachtelte Formulierung, jede doppelte Verneinung erhöht die extrinsische Belastung und stört, was man eigentlich messen will.
Die klassischen Fallen einer schlechten Frage
Die Doppelfrage. «Welches dieser Tiere ist ein Säugetier, das in der Schweiz lebt?» prüft zwei Dinge auf einmal. Wer falsch antwortet: Lag es an der Einteilung der Tiere oder an der Geografie? Das lässt sich nicht sagen. Eine Frage, ein Ziel.
Die Verneinung. «Welche Aussage ist NICHT richtig?» verdoppelt den Verarbeitungsaufwand. Die SuS müssen jede Antwort im Kopf umkehren. Nur einsetzen, wenn es pädagogisch begründet ist, nie aus Gewohnheit.
Der unnötige Kontext. Drei Sätze Einleitung für eine Frage, die einen braucht. Kontext hilft nur, wenn er für die Antwort nötig ist; sonst ermüdet er.
Klarheit ist nicht Leichtigkeit
Kein Missverständnis: Weniger extrinsische Belastung heisst nicht, leichte Fragen zu stellen. Die intrinsische Belastung, also die echte Schwierigkeit des Inhalts, bleibt ganz erhalten, und das soll sie auch. Eine Frage kann anspruchsvoll und völlig klar sein. Das ist sogar das Ideal: Die ganze Schwierigkeit liegt im Inhalt, keine in der Form.
Eine gute Quizfrage stellt die SuS vor eine klare Denkaufgabe. Sie wissen genau, was gefragt ist; irren sie sich, dann beim Inhalt, und die Erklärung kann genau dort ansetzen.
Die Rolle der Bilder: Ein gut gewähltes Bild senkt die Belastung (es ersetzt eine lange Beschreibung). Ein dekoratives Bild ohne Bezug zur Frage erhöht sie (es lenkt ab). Das Bild soll dem Verstehen dienen, nicht schmücken.
Quizze gestalten, die lehren
Wenn du ein Quiz vorbereitest, behalte dieses Ziel im Kopf: Jede Frage ist ein Pfeil auf ein einziges Lernziel. Kurzer Fragetext, klar unterscheidbare und plausible Antworten, kein Rauschen. Das Quiz wird so wirksamer und gerechter, weil es SuS nicht mehr benachteiligt, die den Inhalt verstehen, aber an der Formulierung scheitern.
Diese Grundsätze sind einfach umzusetzen. Jede Frage nochmals lesen und sich fragen «Was prüfe ich hier wirklich?» genügt oft, um das Wort zu viel zu finden. Ein Quiz ohne Rauschen lehrt besser.
Quellen: Sweller J. (1988). Cognitive Load During Problem Solving. Cognitive Science · Sweller J., Ayres P. & Kalyuga S. (2011). Cognitive Load Theory. Springer · Paivio A. (1986). Mental Representations: A Dual Coding Approach. Oxford University Press · Mayer R. E. (2009). Multimedia Learning (2. Aufl.). Cambridge University Press